CD-Kritiken, Frühjahr/Sommer 2010

(Heino Walter, Roadtracks Heft #30, Mai 2010)


Bereits der Vorgnger A Tribute To The Music Of Tim Buckley rang mir Bewunderung ab. Unter anderem, weil Tim Buckley zu covern ist nun auch nicht unbedingt etwas, was viele tun. Auch Teil "2" des 'Tim Buckley Projektes', ich nehme es vorweg, begeistert. Dieses Mal gibt es mehr als fnf Tracks und als ob Tim Buckley nicht schon genug Herausforderung bedeutet, gibt es mit "River Man" und "From The Morning" etwas von Nick Drake und gar John Martyn wurde mit "Solid Air" bedacht.
Dargeboten in perfekter Manier, ohne den Charakter der Originale zu verletzen, hchst intim und immer bedacht, den Hrer abdriften zu lassen. Ich behaupte einfach einmal, der Normalhrer kennt weder Buckley, Drake noch Martyn. Sollte es klappen, diesem Typen eine Songs To The Siren-CD vorzuspielen, wird er interessiert nach eben diesen Dreien Ausschau halten. Ein Qualittsbeweis fr die Arbeit von Michael, Frank, Mathias und Peer. Ich jedenfalls kann mich an "From The Morning" nicht satt hren. Groovende Gitarren, dezentes Jam-Drumherum und wenn man bei diesem Stck auch merkt, dass die Stimme an der Grenze arbeitet: Groes Kino. Das Zusammenspiel der beiden Gitarren, der Rhythmiker und der unaufgeregt aufregenden Tastenstimmungen ber die gesamte Distanz des Albums ist einfach fein.
Apropos gesamte Distanz der Platte: "All The Years Round" ist eine alte Amon Dl II-Nummer und selbst ohne weibliche Vocals ist der Charme erhalten, ja mehr noch, denn die 'Unruhe', die der ADII-Version anhaftet, weicht hier einer Folk/Singer/Songwriter-Attitde und das verpasst dem Stck eine angenehme Wrme.
Apropos Wrme: die spannt sich ber den typischen Buckley-Output wie z.B. "Sing A Song For You" hin zum angejazzten "Solid Air" (Martyn), und in "Love From Room 109 At The Islander (On Pacific Coast Highway" treffen beide zusammen. Jesses, die Songs To The Siren haben aber auch ein Hndchen fr die Wahl der Tracks.
Apropos Songauswahl: Die bedient die 'gute alte Zeit' von 1967 bis 1972. Die jungen RockTimes-Redakteure mgen bei diesen Jahreszahlen in Ehrfurcht erstarren - auch die 'alten' RockTimer, die diese Zeit als Langhaarige durchlebt haben, bekommen auf "2" ihre Zeitkeule: "My Funny Valentine" von Richard Bogner (1902 1979) und Lorenz Hart (1895 1943) aus dem Jahre 1937. Man kennt die Nummer (vielleicht) von Nico, Chet Baker oder Miles Davis und falls ja, dann lasst euch versichern, auch Songs To The Siren schaffen es, die Stimmung dieses Stckes zu transportieren. Den Part der Trompete teilen sich Gitarre und Keys und das klappt. Wenn ich auch gestehen muss, das Geblse ein klein wenig zu vermissen, ist das eine ganz tolle Interpretation.
Apropos Coversongs: Manche mgen das nicht und ich gebe ihnen sogar oft recht. Weil nmlich immer und immer wieder die gleichen Gassenhauer im Repertoire stehen. Bei diesem Quartett hier ist das anders. Ihr erinnert euch: Tim Buckley zu covern ist nun auch nicht unbedingt etwas, was viele tun. Tim ist auerdem nicht mehr live zu erleben (29.06.1975), und auch Nick Drake (25.11.1974) sowie John Martyn (29.01.2009) spielen in der 'Ewigen Allstar-Band'. Daher ist es geradezu Pflicht sich um den Erhalt dieser Musik zu kmmern. Deshalb ist das covern mancher Musiker unbedingt zu bejahen. Und wenn das eine Band wagt und es klappt: Chapeau!
brigens, Bandname und der (fast)gleichnamige Track Nummer 11 ... Na, welcher ber allen Zweifeln Erhabene hatte dieses Stck ebenfalls im Programm? Genau: Robert Plant. Der wusste also auch, wen es sich lohnt zu covern.
Apropos 'Ewige Allstar-Band': Sollten auf dem nchsten Tim Buckley-Tribute ein paar Song-Slots frei sein ... Ich htte Wnsche: Jerry Garcia, oder Jim Croce. Und wenn auch Lebende zugelassen sind: Randy Newman und Leon Russell sind ebenfalls nicht Ohne ...

(Ulli Heiser, www.rocktimes.de, 10. Februar 2010)


Songs To The Siren interpretieren Tim Buckley

Vier Herren vom Niederrhein mit Coverversionen auf ihrem Zweitwerk

Wer sich nach einem Song von Tim Buckley benennt und seinen Erstling ausschlielich mit Coverversionen von Buckley bestreitet, beweist Mut und muss genug Selbstvertrauen in die eigene Strke einbringen. Ausgerechnet vier Mnner aus Deutschland wagten, was eigentlich im Vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Das Quartett vom Niederrhein ist unerschrocken an die Sache herangetreten und zeitigt ein hrenswertes Ergebnis.

Wer sind Songs To The Siren?

Die Besetzung der Band liest sich folgendermaen: Frank Preu (E-Gitarre), Mathias Schller (Schlagzeug), Peer Sitter (Bassgitarre, Keyboard) und Michael Mann (Gesang, akustische Gitarre). Letzterer ist auch Bandleader und Songschreiber von Waiting For Louise, die mit dem Album New Tricks For Old Dogs beeindruckten. Hierfr schrieb Michael Mann die Lieder, sang und griff in diverse Saiteninstrumente. Neben den Eigenkompositionen waren auch die Interpretationen von Songs der Go-Betweens, Lou Reed und Loudon Wainwright/Joe Henry ein Ohrenschmaus.

Tim Buckley, Nick Drake, John Martyn, Amon Dl II und ein Jazz-Klassiker

Schlgt man das Coverartwork der CD auf, sieht man die vier Herren von Songs To The Siren an einem Tisch sitzen und in die Hhe blicken. Ob sie die Geister ihrer Vorbilder dort oben suchen oder den Umfang der Oktaven, die Tim Buckley singen konnte? Wir wissen es nicht, aber vermutlich hat Snger Michael Mann niemals gesangliche Hchstleistungen angestrebt. Die Band Songs To The Siren geht sehr unbefangen und mit viel musikalischem Wissen an die Achttausender des Singer/Songwriter-Genres heran. Dieses mal wurden sechs Tim Buckley Originale interpretiert, zwei Nick Drake Songs und je einer von John Martyn und man hre und staune Amon Dl II. Hinzu kommt der Jazz-Klassiker My Funny Valentine.

Die Buckley Songs

Das Album Songs To The Siren 2 erffnet mit Tim Buckleys Sing A Song For You von dessen Happy Sad. Die Songs To the Siren sind wie auch auf den anderen Buckley Coverversionen ganz nahe am Spirit des Songs und Michael Manns Flstergesang versucht erst gar nicht an die Tief- und Hhenlagen des Meisters heranzureichen, sondern drckt mit seiner herrlich gehauchten Stimme den Titeln einen eigenen Stempel auf. Manns Gitarrenspiel auf der Akustischen und Frank Preuߒ Stromgitarrenspiel halten immer wieder eine angenehm unaufgeregte Zwiesprache, die von Mathias Schllers Schlagzeug und Peer Sitters Bass- und Tastenspiel entsprechend unterfttert wird. Relaxed und laid back wird Phantasamagoria In Two (von Goodbye And Hello) dargeboten. Love From Room 109 At The Islander (On Pacific Coast Highway) von Happy Sad und Pleasant Street schwelgen in versonnener Coolness, whrend Blue Melody (von Blue Afternoon) tiefe Emotionalitt transportiert. Der Bandnamengeber Song To The Siren von Buckleys Starsailor wird bei Michael Mann und seinen Mnnern in einen zrtlichen Folk Song verzaubert.

Songs To The Siren 2

Nick Drakes River Man und From The Morning sind von der swingenden Melancholie der Originale durchdrungen, die musikalische Umsetzung bringt Buckley und Drake in einen gemeinsamen Spannungsbogen. Selbst All The Years Round von Amon Dl II reiht sich bestens ins Gesamtkonzept ein. Mit den Vibes des Originals spielen sie John Martyns Solid Air und My Funny Valentine erfhrt gleichfalls die auergewhnliche Songs To The Siren Behandlung. Wie auf allen Titeln wrdigen sie das Original und gewinnen ihm dennoch eine neue Facette ab.

New Tricks For Old Dogs

Man sollte Songs To The Siren 2 in Ruhe hren, sich zurcklehnen und sich den Tnen hingeben. Wer eher zu Americana-Songs tendiert, sollte mit der anderen Michael Mann Formation Waiting For Louise einsteigen und das Album New Tricks From Old Dogs ordern. Beide sind ber die Internet Seite von Waiting For Louise zu beziehen und die Anschaffung wert.

(Gnter Ramsauer, www.suite101.de, 27. Januar 2010)

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